„Heute ist sogar die Musik aus Plastik.“

Ein sehr ehrliches Interview mit Peter Kern


Peter Kern ist (Blues-)Musiker mit Leib und Seele, mit Herzblut und Teufelsfingern. Gitarrist, Sänger, Blues Preacher.
In einem sehr persönlichen Interview erzählt er über früher und heute, über die Alten und die Neuen und wie er vom KISS-Fan zum Blues Preacher wurde.
Im Gespräch mit Jenny Hill

Peter, du bist ja schon sehr lange in der Musikwelt vertreten. Soweit ich weiß, hast du mit 6 Jahren mit dem Gitarre spielen begonnen und deine ersten Bühnenauftritte hast du schon mit 15 absolviert. Du warst ein Shootingstar der Wiener Blues Musik Szene. Erzähl, wie kommt ein 6-Jähriger zum Blues?

Gar nicht. Dieser 6-Jährige kam zuerst zu KISS. Von denen war ich ein großer Fan, mein Zimmer war voller Poster und ich musste jede Platte haben. Durch meine Mutter bin ich dann aber doch auch bald zum Blues gekommen. Das war die Musik, die wir daheim gemeinsam gehört haben. Die uns allen gefallen hat. Und meine Mutter war mit einigen Bluesmusikern befreundet, so bin ich dann schnell in die Szene eingestiegen und das Papa’s Tapas war dann bald mein zweites Wohnzimmer.

Beim Papa’s Tapas ist es aber nicht geblieben, oder? Du warst ja auch international unterwegs und hast mit einigen der richtig Großen gespielt.

Ja, das ist wahr. Das war eine geile Zeit (lacht). Das hat viel Spaß gemacht, ich hab mit Dana Gillespie, Louisiana Red und Big J. McNeely gespielt und mit Magic Slim und John Primer aufgenommen. Da merkst du mal, was richtige Musik ist. Und vor allem, wo sie herkommt. Da hast du Menschen vor dir, die nicht lesen und schreiben können, aber die Musik leben sie auf eine Art, die du heute kaum mehr findest. Das war für mich die Inspiration und Energie, von der ich bis heute zehre.

Apropos Inspiration: Norbert Schneider hat 2019 bei der Verleihung der Amadeus Music Awards gesagt – und das erzählt er ja immer wieder in Interviews -, er sei als junger Musiker so beeindruckt von dir gewesen und wäre von dir inspiriert und angespornt worden. Bei einem deiner Konzerte habe es „Klick“ gemacht und so sei er erst richtig zum Blues gekommen.

Ja, das ist eine lustige Geschichte. Er war damals bei einem Konzert von mir und Hannes Kasehs und war wohl sehr beeindruckt. Wir haben uns nachher aber auch kennengelernt und im Papa’s Tapas und im Bluesman oft miteinander gejammt. Ich freu mich natürlich, wenn ich jemanden berühren, inspirieren und meine Liebe zur Musik weitergeben kann.

Die Liebe zur Musik ist gleich eine gute Überleitung. Du warst jetzt länger weg und bist endlich wieder da. Wie kam es dazu? Und was hat sich bei dir getan/verändert?

Naja, so richtig weg war ich ja nie (lacht). Musik hab ich immer gemacht. Aber ich hab auch einige Zeit gebraucht, um mich in dieser Welt zurecht zu finden – und bin noch lang nicht angekommen. Ganz ehrlich, mir tut die Entwicklung der Gesellschaft weh. Meine musikalischen Wurzeln kommen aus einer ganz anderen Zeit. Da war alles echter, erdiger, räudiger. Heute kommt alles aus der Dose, alles ist aus Plastik. Sogar die Musik ist aus Plastik, es gibt nix Echtes mehr, das tut mir wirklich weh. Ich muss noch einen Weg finden, authentisch zu bleiben, meine Wurzeln nicht zu verlieren und mich dennoch mit den Gegebenheiten unserer Zeit zu arrangieren - und vor allem, die Musik in den Vordergrund zu stellen. Das geht meiner Meinung nach in der heutigen Zeit leider unter. Da will ich dagegen ankämpfen und das Herzblut wieder zurück in die Musik bringen. Man muss aber auch zugeben, dass nicht alles schlecht ist. (schmunzelt). Vieles ist einfacher geworden, z. B. Fans mit einem Newsletter zu erreichen oder Musik mit Freunden und Kollegen zu teilen. Das muss ich nur noch für mich nutzen lernen.

Stimmt, du hast jetzt auch erstmals eine Website, einen Newsletter und bist auf YouTube präsent. Vielleicht folgen ja auch noch Facebook und Instagram? Wie ist es dazu gekommen?

Scheinbar braucht man das heute einfach (lacht). Schau, die Technik erleichtert einem vieles, aber in Wirklichkeit interessiert mich das alles nicht so richtig. Das ist wie beim Soundcheck. Am liebsten würd ich hinkommen, anstecken, spielen und mich sonst um nix kümmern. Aber so läuft das nicht. Und bei einer Website ist das genauso. Die muss man nicht nur „haben“, die gehört gepflegt und betreut, YouTube und Facebook wollen gefüttert werden. Das ist alles so weit weg von meiner Musik. Ich alleine hätte das bis heute wahrscheinlich alles nicht. Aber ich hab das Glück, Freunde zu haben, die mich in diesen Punkten unterstützen (Danke Edward!) und so einiges möglich machen, von dem ich bisher noch nicht mal was wusste. Das tut mir natürlich gut und dann bin ich auch gern dabei.

Und was kommt als nächstes? Wie sind deine Pläne, Träume, Ziele?

Die Pläne, Träume und Ziele sind immer die gleichen: mir die Musik von der Seele spielen, die mich Tag und Nacht beherrscht. Am liebsten mit der perfekten Band, den idealen Musikern, die gleich ticken wie ich und 18 Stunden am Tag nur Musik leben wollen. Und dann wird‘s Alben und Konzerte, national und international, Blues und Rock und alles andere geben. Aber im Kern des Ganzen wird‘s immer um die Musik gehen!